Voneinander lernen - Vernetzen - Fördern

PatientInnensicherheit steht im Vordergrund

Schneller Wandel und permanente Umbrüche kennzeichnen die Zeit in der wir leben. Diese Entwicklungen bergen große Chancen in sich, bringen aber auch Herausforderungen mit sich und erfordern eine dauernde Weiterentwicklung und Veränderung in den unterschiedlichsten Bereichen unseres Lebens – auch im Gesundheitsbereich. Der Gesundheitsbereich ist wohl das mit Abstand sensibelste Terrain, wenn es um Versorgungsqualität und Sicherheit geht.

Daher hat sich die Steiermark bereits 2009 zur Entwicklung der steirischen Qualitätsstrategie für mehr Qualität im Gesundheitswesen entschieden. Diese, in einem breit angelegten institutionen-, sektoren- und berufsgruppenübergreifenden Beteiligungsprozess, erarbeitete Strategie benannte als oberste Priorität in der thematischen Schwerpunktsetzung die Steigerung der PatientInnensicherheit. Unterstützt wird die Umsetzung der Strategie durch die Qualitätssicherungskommission Steiermark.

Die Initiative PatientInnensicherheit (IPS) hatte zum Ziel, die steirischen Gesundheitseinrichtungen zu vernetzen, um sich über Beinahe-Fehler und Fehler auszutauschen und voneinander zu lernen. Konkretes Ziel war es, funktionierende Learning- & Reporting-Systeme (L&R) in den steirischen Fondskrankenanstalten einzuführen. Dabei sollten vor allem Einrichtungen ohne Learning- & Reporting-Systeme zur Einführung eines solchen bewegt und die vorhandenen, bereits im Einsatz befindlichen Systeme auf eine gemeinsame Basis gebracht werden.

Es ist gelungen alle 20 Fondskrankenanstalten der Steiermark, die beiden AUVA Spitäler sowie die Privatklinik Graz Ragnitz als aktive Mitglieder der Initiative zu erreichen. Alle sind im Besitz einer IPS–Auszeichnung, welche bestätigt, dass ein funktionierendes L&R-System entsprechend den vorgegebenen Kriterien der Initiative PatientInnensicherheit Steiermark eingeführt wurde. Aktuell stehen der Initiative 58 ausgebildete Reviewer zur Verfügung, die sich am Verfahren der IPS-Auszeichnung beteiligen.

Mit der Initiative PatientInnensicherheit Steiermark ist ein Netzwerk entstanden, das es ermöglicht aus den Meldungen der Beinahe-Fehler oder Fehler zu lernen, darüber zu sprechen und sich mit anderen auszutauschen. Das ist ein bemerkenswertes Vorgehen, das gegenseitiges Vertrauen erhöht und damit strukturierte Austauschmöglichkeiten zwischen den Einrichtungen und handelnden Personen schafft. Diese Vernetzung und der Austausch sind wichtige Faktoren, um voneinander zu lernen. Es zeigt, dass es möglich ist Sozialisierungen einer Beschuldigungskultur aufzubrechen und in eine Sicherheitskultur zu wandeln. 

Die Voraussetzungen dafür waren in der Steiermark sehr gut, da schon einige Aktivitäten und ein vielfach etabliertes Qualitäts- und Risikomanagement vorhanden waren. Nach über fünf Jahren konsequenter Umsetzung und stetiger Weiterentwicklung der Initiative werden im aktuellen Bericht „Voneinander lernen – Vernetzen – Fördern: Initiative PatientInnensicherheit Steiermark" das bisher Erreichte aus Sicht der Mitglieder sowie des Gesundheitsfonds Steiermark, als Initiator sowie Träger der Initiative aufgezeigt. 23 Gesundheitseinrichtungen haben sich in dieser Initiative zusammengeschlossen mit dem gemeinsamen Ziel die Sicherheit der PatientInnen zu verbessern.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler: „Mit der Initiative PatientInnensicherheit Steiermark ist ein Netzwerk entstanden, das Krankenanstalten mit anderen Gesundheitsdiensteanbietern stärker verbindet, das gegenseitige Vertrauen erhöht und damit strukturierte Austauschmöglichkeiten zwischen den Einrichtungen und handelnden Personen schafft. Diese Vernetzung und der Austausch sind wichtige Faktoren, um voneinander zu lernen. Dadurch können Patientinnen und Patienten besser, aktiv und gut informiert in den Behandlungsprozess miteinbezogen werden."

„Unser gemeinsames Ziel muss lauten, die ohnehin geringe Fehlerquote im Gesundheitsbereich weiter zu senken. Jeder Einzelfall, bei dem Menschen zu Schaden kommen, ist einer zu viel – das gilt für die große Klinik genauso wie für die kleine Arztpraxis. Es kann aber auch das beste System an seine Grenzen stoßen, wenn Patientinnen und Patienten nicht oder nur sehr eingeschränkt mitspielen. Die Steigerung der Gesundheitskompetenz ist daher ein Schlüsselthema, das von der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse entschieden vorangetrieben wird. Nur ein Beispiel: Viele Menschen hätten sich unendlich viel Leid erspart, hätten sie regelmäßig das Angebot zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen. Die STGKK verfügt über eine breite Angebotspalette zur Steigerung der Gesundheitskompetenz. Unter anderem bieten wir spezielle Programme für Kindergärten und Schulen an, wo ja die Basis für ein gesundes Leben gelegt wird", betont die Obfrau der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Verena Nussbaum.

Risikomanagement gehört zum Tagesgeschäft der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft mbH (KAGes). Das Ziel dabei ist es, Projekte mit neuen Methoden kritisch zu betrachten. Diese Herangehensweise mit einem systemischen Ansatz und klar definierten Kriterien unterstützen die Umsetzung. Der Projektverantwortliche im Bereich Risikomanagement der KAGes, Marko Kocever erklärt dazu: „Risikomanagement schafft Kultur, Werte und Vertrauen und trägt dazu bei, aktiv die PatientInnensicherheit zu fördern."  

„Um PatientInnensicherheit zu gewährleisten und zu erhöhen wird im Marienkrankenhaus Vorau gGmbH eine Vielzahl qualitätssichernder und risikominierender Maßnahmen geplant, umgesetzt und deren Wirkung evaluiert. Die Initiative PatientInnensicherheit Steiermark hat es in Zusammenarbeit mit der Qualitätssicherungskommission Steiermark geschafft, dass sich steiermarkweit 23 Krankenanstalten bzgl. identifizierter Beinahe-Fehler vernetzen, regelmäßig austauschen und voneinander lernen. Somit wurde aus dem zunächst einzelnen Grundstein ein breites Fundament, auf welchem weiter aufgebaut wird, um PatientInnensicherheitsaktivitäten in allen Bereichen zu forcieren", unterstreicht die stellvertretende Pflegedienstleiterin des Marienkrankenhauses Vorau, Margit Mauerbauer, die Wichtigkeit der Initiative.

Mit dem Ziel einer qualitätsorientierten Gesundheitsversorgung werden in der Steiermark verschiedene weitere Qualitätsprojekte umgesetzt. Um die Umsetzung dieser Projekte zu fördern und zu fordern, wurde – als einzigem Bundesland Österreichs - die Umsetzung von Qualitätskriterien mit monetärer Vergütung verknüpft. Dazu wird ein Teil der bestehenden Mittel der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) nur dann an die Fondskrankenanstalten ausbezahlt, wenn sich diese aktiv an den Qualitätsprojekten beteiligen. Dazu zählen neben der Initiative PatientInnensicherheit Steiermark die „AKTION Saubere Hände" sowie die Umsetzung der beiden Bundesqualitätsleitlinien zur präoperativen Diagnostik und zum Aufnahme- und Entlassungsmanagement. Die Steiermark hat mit diesem Vorgehen wiederum eine Vorreiterrolle innerhalb Österreichs eingenommen.

Auch in den kommenden Jahren wird gemeinsam mit den IPS-Mitgliedern an der Weiterentwicklung dieser Initiative gearbeitet. Die IPS soll als Dachmarke für Aktivitäten der PatientInnensicherheit in der Steiermark etabliert werden.